Was versteht man unter Neuraltherapie?

Die Neuraltherapie (nach Huneke) ist ein ganzheitliches Therapie- und Diagnoseverfahren, das durch die deutschen Brüder Ferdinand und Walter Huneke vor rund 80 Jahren entwickelt wurde. Dabei wird mittels gezielten Injektionen eines kurz wirkenden Lokalanästhetikums über das vegetative Nervensystem die Selbstheilung des Organismus eingeleitet.

Bei welchen Krankheiten wird diese Behandlung eingesetzt?

Das Indikationsgebiet deckt akute und chronische Zustände ab und reicht damit quer durch alle medizinischen Fachgebiete. Besonders häufig werden folgende Krankheiten behandelt: Rückenschmerzen (u.a. auch Bandscheibenvorfälle), Gelenkserkrankungen, Migräne, neuralgische und postoperative Schmerzen, gewisse Infektionskrankheiten (z.B. Kieferhöhlenentzündungen), Prostataleiden, hormonelle Störungen wie z.B. Menstruationsstörungen, Schwindel, Menopausenbeschwerden, Über- und Unterfunktion der Schilddrüse.

Was bewirkt sie im Organismus?

Um die Wirkung der Neuraltherapie zu verstehen, muss man die Funktion des vegetativen Nervensystems kennen. Es handelt sich dabei um ein komplexes Netzwerk, bestehend aus Millionen von feinsten Nervenfasern. Über dieses Informationsnetzwerk sind alle Zellen bzw. Organe miteinander verbunden. E shat die Aufgabe, sämtliche Lebensfunktionen zu koordinieren und zu regulieren. Bei der Neuraltherapie werden gezielte Reize gesetzt und bestimmte Nervenverbindungen für kurze Zeit unterbrochen, damit der Körper die Chance bekommt, sich selbst wieder zu einem normalen Zustand zu organisieren. Damit können oft sogar langjährige, chronische Krankheitszustände zum Ausheilen gebracht werden. Wir unterscheiden in der Neuraltherapie zwei verschiedene Therapieansätze. Zum einen ist dies die lokale und segmentale Behandlung, wie sie auch in der Schulmedizin oft zur Anwendung kommt. Durch die Injektionen des Lokalanästhetikums in die Haut, die Muskulatur oder an Nerven bzw. Nerven-Schaltstellen werden chronische Reizprozesse durchbrochen. Der zweite Ansatz ist die Behandlung von so genannten Störfeldern. Diese sind ins Vegetativum eingeprägte Fehlinformationen. Sie können überall im Körper als Folge von Verletzungen, Operationen und Entzündungen usw. entstehen. Störfelder haben die Eigenschaft, über vegetative Nervenfasern Störimpulse auszusenden, welche in der Folge an entfernten Stellen zu Symptomen und Störungen wie z.B. Schmerz führen. Typische Störfeldlokalisationen sind Mandeln, Nebenhöhlen, Zahn-Kiefer-Bereich, Prostata, gynäkologischer Bereich, Narben aller Art und durch Ausschaltung eines Störfeldes mittels Lokalanästhetika wird der bestehende "Teufelskreis" unterbrochen und die Ausheilung der Erkrankung ermöglicht. Besonders eindrucksvoll ist dieser Effekt beim so genannten Sekundenphänomen, in welchem die Heilung einer Fernstörung durch die Störfeldbehandlung in einer Sekunde erfolgt.

Muss mit Nebenwirkungen oder mit Risiken gerechnet werden?

Bei korrekt durchgeführter Injektionstechnik ist die Neuraltherapie eine äusserst schonende und nebenwirkungsarme Methode. Ein leichtes Schwindelgefühl nach einer Neuraltherapie ist völlig normal und dauert meist nur wenige Minuten. Kleinere Blutergüsse im Bereich der Injektionsstellen sind möglich, aber harmlos.

Für welche Patientinnen oder Patienten ist Neuraltherapie nicht geeignet?

Es gibt einige Situationen, bei denen die Neuraltherapie nicht angewendet werden darf, so z.B. bei einer Allergie auf das verwendete Lokalanästhetikum, dies kommt allerdings sehr selten vor. Bei Patienten mit einer Blutungsneigung bzw. Blutverdünnung sollten keine tieferen Injektionen angewendet werden. Zur Behandlung von Krebs und bei Erkrankungen mit bereits zerstörtem Gewebe, z.B. Leberzirrhose, ist die Neuraltherapie wirkungslos. Zur Schmerzbehandlung können jedoch auch Krebspatienten von der Neuraltherapie profitieren.